Wetzlar – Am kommenden Wochenende steht in Hessen die nächste Hitzewelle in
Haus. Die brütende Hitze macht nicht nur Menschen und Tieren zu schaffen,
sondern auch der blumenbunten Pflanzenwelt. Da im Juli in Hessen bislang
erst 12,9 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge des Monats gefallen
sind, ist die Trockenheit überall zu spüren. Auch in den Gärten kämpft die
oft durstige Pflanzenpracht mit der Dürre und lechzt nach Gießkanne und
Wasserschlauch. „Für Gartenbesitzer heißt es nun, schonend mit dem kühlen
Nass umzugehen und sich Gedanken darüber zu machen, wie man wassersparend
gärtnern kann. Ein ‚Immer mehr‘ macht beim Bewässern keinen Sinn und kann
im Klimawandel teuer werden“, erklärt NABU-Gartenexperte Dr. Berthold
Langenhorst. Mit ein paar Tipps zum wassersparenden Blumengießen im Garten
zeigt der NABU Hessen auf, was man selbst zur Anpassung an die
Klimaerwärmung rund ums Haus tun kann. Hierbei sind der Zeitpunkt des
Gießens, die richtige Stelle, die Berücksichtigung des Wasserbedarfs, ein
guter Bodenschutz und die Nutzung von Regenwasser wichtige Faktoren, um den
Wasserverbrauch zu verringern.
Den richtigen Zeitpunkt wählen
Wenn die Sonne vom Himmel brennt, verbrauchen Pflanzen viel Wasser. Es ist
aber nicht sinnvoll, sie dann zu gießen, weil das vergossene Wasser in der
Hitze schnell wieder verdunstet, bevor es die Wurzeln im Boden erreichen
kann. Idealerweise sollte man früh morgens gießen, damit die Pflanzen für
den heißen Tag gerüstet sind. Alternativ kann auch in den Abendstunden
gegossen werden. Wer häufig gießt, tut seinen Pflanzen keinen Gefallen. Es
empfiehlt sich, lieber seltener und dafür ausgiebig zu wässern, weil damit
ein stärkeres Wurzelwachstum in tieferen Schichten angeregt wird. Das hilft
den Pflanzen dabei, Wasser generell besser aufzunehmen.
An der richtigen Stelle wässern
Die manchmal zu beobachtende Praxis, Pflanzen großflächig mit einem
Sprenger zu beregnen, führt zu hohen Wasserverlusten durch Verdunstung.
Besser ist es, gründlich direkt im Wurzelbereich der Pflanzen am Erdboden
zu gießen. Bei besonders durstigen Pflanzen kann man dazu gut einen kleinen
Blumentopf nahe der Wurzeln in den Boden eingraben und ihn als
Wassertrichter nutzen.
Bedarfsgerecht gießen
Pflanzen haben einen unterschiedlichen Wasserbedarf und reagieren bei
Trockenheit auf verschiedene Weise. Nicht jede Pflanze braucht permanent
Wasser, manche können gut einige Zeit darauf verzichten. So brauchen junge
Keimlinge öfter Wasser als ältere mehrjährige Pflanzen mit tiefen Wurzeln.
Auch Pflanzen mit großer Blattmasse verdunsten mehr Wasser. Es ist
sinnvoll, sich über den Wasserbedarf der einzelnen Pflanzenarten zu
informieren und jede bedarfsgerecht zu gießen.
Offenen Boden vermeiden
Mulch auf Blumenbeeten verhindert nicht nur wirksam das Wachstum von
unerwünschten Konkurrenzpflanzen, sondern hemmt auch die Verdunstung von
Wasser aus dem Boden. Das gemulchte Beet trocknet nicht so schnell aus wie
das frisch geharkte. Zusätzlich unterstützt das Mulchmaterial den
Humusaufbau und hilft mit dabei, einen gesunden Boden zu entwickeln, der
Wasser auf Dauer besser aufnehmen und halten kann.
Regenwasser nutzen
Die beste und kostengünstigste Bewässerung des Gartens lässt sich mit
Regenwasser bewerkstelligen, das in Regenwassertonnen oder Zisternen
gesammelt wird. Es fällt kostenfrei vom Himmel und besitzt einen pH-Wert,
den viele Pflanzen lieben. Damit der Wassersammler nicht zur Falle für
Tiere wird, sollte er stets abgedeckt sein, das schützt auch vor
Verdunstung. Wichtig ist es zudem, große Gefäße kindersicher aufzustellen.
Klimagerechtes Gärtnern
Auf längere Sicht hin empfiehlt der NABU, den Garten klimagerecht
umzugestalten. „Man sollte sich überlegen, ob es sinnvoll ist, Blumen mit
hohem Wasserbedarf anzupflanzen. Besser ist es, mehr Natur im Garten
zuzulassen. Heimische standortgerechte Pflanzen sind meist besser an
Wetterextreme angepasst als Zuchtsorten“, so Langenhorst. Ein leicht
welliges Profil mit Hügeln und Senken schützt gut vor Austrocknung und
Überschwemmung bei Starkregen. Die Hügel leiten das Wasser in die Senken,
so kann es sich dort sammeln und langsam versickern. Wichtig im Garten sind
zudem Hecken und Sträucher. Sie halten Wind ab, schützen vor Verdunstung
und erhalten die Bodenfeuchte. Auch den Rasenmäher sollte man im Sommer
getrost längere Zeit stehen lassen. Kurz geschorene Rasenflächen trocknen
schnell aus. Wenn das Gras etwas länger werden darf, beschattet der Rasen
sich selbst und braucht deutlich weniger Wasser.
Naturschutzbund (NABU) - Landesverband Hessen e.V.
Friedenstraße 26
35578 Wetzlar
Landesvorsitzender: Maik Sommerhage
Geschäftsführung Kommunikation: Dr. Berthold Langenhorst (V.i.S.d.P.)