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Germanische Siedlung in Unterweisenborn

Recherche: Karl und Liesel Honikel / Ralf Malkmes

 

Die leichte Hanglage zwischen Ringberg und dem heutigen Unterweisenborn zeigt alle Vorzüge, die ein Siedlungsplatz für die chattisch-germanischen Vieh- und Ackerbauern nur haben konnte. Die Ostseite des bewaldeten Ringberges bot Schutz vor den hier vorherrschenden feuchten und starken Westwindtriften. Und unmittelbar neben der Siedlungsstelle befand und befindet sich noch heute eine Quelle zur Wasserversorgung.
Der Standort oberhalb des Solzbaches war nahe genug an den fruchtbaren Wiesen und Feldern im Talgrund, schützte aber vor den wiederkehrenden Hochwassern im Frühjahr.


Die Germanen lebten in langrechteckigen Pfostenbauten. Diese Langhäuser wurden ganz aus Holz gebaut und konnten bis zu 30 Meter lang sein. Unter dem mit Reet bzw. Stroh gedeckten Dach befanden sich sowohl der Wohn- als auch der Stallbereich, wobei beide Bereiche häufig durch eine schmale Diele oder Tenne voneinander getrennt waren.

 

Die archäologischen Ausgrabungen am Ringberg sind einem Zufallsfund zu verdanken. Hierzu schreibt der Leiter der Ausgrabungen, Prof. Walther Bremer, Marburg, Folgendes zu Beginn seines Grabungsberichts von 1921:
Im Jahre 1897 wurde bei der Flurbereinigung in der Gemarkung Unterweisenborn bei Schenklengsfeld ein germanisches Brandgrab der römischen Kaiserzeit in einem Drainagegraben westlich des Dorfes am Fuße des Ringberges angeschnitten, das in das hessisches Landesmuseum nach Kassel gelangte. An dieser Stelle wurde vom 16.8. bis 11.9.1920 mit Unterstützung privater Gönner für das städtische Museum in Hersfeld ausgegraben.
Das Ergebnis der anschließenden wissenschaftlichen Auswertung der Grabung und der Bodenfunde, im Wesentlichen Urnen zur Brandbestattung, eine Fibel und Bronzestücke, ergab eine Datierung des Siedlungsplatzes in das 2. und beginnende 3 Jh. n. Chr. Die Siedlung steht damit in einer Reihe von ähnlichen Siedlungen im Gebiet von Schwalm, Lahn, Eder und Fulda, wo die germanischen Chatten lebten.
(Aus Chatten ist durch Lautverschiebung schließlich Hessen geworden.) Ihre Siedlungsweise in Einzelhöfen oder kleinen Weilern ist archäologisch gut nachgewiesen. In diesen Jahrhunderten wurden die Toten verbrannt und in Urnen-und/oder Brandschüttungsgräbern beigesetzt; hier am Ringberg wurden 14 davon gefunden. (Der Grabungsbericht mit Abb. ist abgedruckt in unserer Broschüre Die germanische Siedlung am Ringberg bei Unterweisenborn aus dem 2./3. Jh. n. Chr.)

 

Im Jahr 2008 erfolgt die Einweihung der Schautafel „Historisches Urnengräberfeld“ in Unterweisenborn auf dem Friedhof in der Nachbarschaft.

 

Text: Heimatverein Schenklengsfeld - Hier finden Sie auch weitere Informationen zur Germanischen Siedlung und anderen historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten in der Gemeinde.