Foto: Monika Greb | zur StartseiteFoto: Monika Greb | zur StartseiteFoto: Monika Greb | zur StartseiteFoto: Monika Greb | zur StartseiteFoto: Monika Greb | zur StartseiteBannerbild | zur StartseiteFoto: Monika Greb | zur StartseiteFoto: Monika Greb | zur Startseite
RSS-Feed   Teilen auf Facebook   Teilen auf X   Als Favorit hinzufügen   Link zur Seite versenden   Druckansicht öffnen
 

NABU: Naturwälder müssen gesichert werden

NABU HESSEN-PRESSEMITTEILUNG | NR 07/23 | 05. Februar 2023
______________________________________________________________

Naturschutz / Stopp von NSG-Ausweisungen

NABU: Naturwälder müssen gesichert werden
Land Hessen stoppt die Ausweisung von Naturwäldern als Naturschutzgebiete

Wetzlar – Per Erlass vom 2. Februar hat die neue Landesregierung die Regierungspräsidien
Kassel und Darmstadt angewiesen, den Ausweisungsprozess von zahlreichen Naturwäldern
als Naturschutzgebiete in Nord- und Südhessen bis auf weiteres zu stoppen. Der NABU
Hessen ist fassungslos darüber. „Damit wird nicht nur Hessens zweitgrößtes
Naturschutzgebiet im Reinhardswald in Frage gestellt, sondern auch viele andere wertvolle
Waldgebiete, die für eine nachhaltige Zukunft gesichert werden sollten“, so Maik
Sommerhage, Landesvorsitzender des NABU Hessen. Im Reinhardswald ist bislang ein
1.293 Hektar großes Naturschutzgebiet vorgesehen.

Noch im Januar hatte das Hessische Umweltministerium unter der damaligen Leitung von
Priska Hinz die Ausweisung der Naturschutzgebiete bis zum Frühjahr angekündigt. Im
jetzigen Erlass kündigt das Umweltministerium nun eine „Neubewertung“ an. Dies stößt auf
völliges Unverständnis der Naturschützer. In den Waldgebieten werde bereits seit vier
Jahren auf Holzeinschlag verzichtet, es fehle nur noch die rechtliche Sicherung als
Naturschutzgebiet. „Die Naturwälder sind vollständig im Landeseigentum, es sind also keine
privaten Eigentümer betroffen. Welchen Hintergedanken hat die neue Regierung, wenn sie
diese Schutzprojekte nun so plötzlich stoppt?“, so Sommerhage. Die Schutzgebiets-
Ausweisung war im Jahr 2020 vom Umweltministerium per Erlass angeordnet worden. Im
Erlass hieß es damals noch „Die Verfahren zur Ausweisung der Kernflächen als NSG sind
bis zum 1. Februar 2022 zum Abschluss zu bringen.“

Betroffen sind neben dem Reinhardswald ein 280 Hektar großes Naturwald-Schutzgebiet im
Hohen Keller (Schwalm-Eder-Kreis), die Hessische Schweiz bei Meinhard (184 ha), Wälder
am Breiten Berg bei Haselstein (65 ha) in der Rhön, Wälder am Roten Moor (128 ha),
Naturwälder am Melibocus an der Bergstraße (421 ha), Wälder am NSG Mönchbruch von
Mörfelden und Rüsselsheim (206 ha), ein Naturwald bei Mörfelden-Walldorf (253 ha), der
Bürstädter Wald (470 ha) und die Erweiterung des NSG Heegbachaue bei Messel (167 ha).
In den Gebieten soll sich ein vom Menschen unbeeinflusster Naturwald entwickeln. Es gibt
keine Holznutzung mehr, so dass die Bäume 300 Jahre und älter werden können. Im
üblichen Wirtschaftswald werden sie mit 140 bis 180 Jahren gefällt. Erst alte Wälder bieten
die Lebensräume für besonders seltene Arten. „Die Naturwaldflächen sind gerade im
Klimawandel besonders wichtig. Mit einem geschlossenen Kronendach können sich Wälder
besser vor Austrocknung schützen“, so Mark Harthun, Waldexperte beim NABU Hessen. In
natürlichen Wäldern könnte man auch den Wechsel von Baumarten und ihre
Anpassungsfähigkeit beobachten und das Wissen für die Forstwirtschaft nutzen. Deshalb
spielten Naturwälder beim natürlichen Klimaschutz eine herausragende Rolle.