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NABU Hessen: Fledermausfindelkinder

NABU HESSEN-PRESSEMITTEILUNG | NR 42/24 | 12. Juni 2024
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Naturschutz / Fledermäuse

Junge Fledermäuse brauchen Hilfe
NABU-Telefon für Fledermaus-Findelkinder gibt Unterstützung

Wetzlar – Alleinerziehende Mütter haben es oft nicht leicht. Das gilt auch für unsere
Fledermäuse. Aktuell sind die Fledermausweibchen gemeinsam mit ihrem Nachwuchs in
ihren Sommer-Quartieren, den „Wochenstuben“. Bis zur Selbständigkeit der Jungtiere Ende
August müssen sie sich nun intensiv um ihren Nachwuchs kümmern. Dabei kommt es immer
wieder vor, dass einzelne Jungtiere zu vorwitzig sind und aus dem Quartier purzeln,
verwaisen, abstürzen oder geschwächt am Boden liegen. Fledermausmütter sind sehr
fürsorglich und suchen nach ihren Jungen, um sie wiederaufzunehmen. Damit dies gelingen
kann, ist jedoch oftmals Hilfe nötig. „Ohne die Unterstützung von Menschen können viele
Fledermaus-Findlinge nicht überleben“, erklärt Maik Sommerhage, Landesvorsitzender des
NABU Hessen. Wer einen Fledermaus-Findling aufliest, kann sich an das NABU-
Fledermaustelefon wenden. Unter der Telefonnummer 030-284 984 5000 werden alle
Fragen rund um Fledermäuse beantwortet und wenn erforderlich, regionale
Ansprechpartner*innen und Expert*innen der NABU-Landesarbeitsgruppe Fledermausschutz
vermittelt.

Wer einem Fledermaus-Findling helfen wolle, sollte sich auf „Erste-Hilfe-Maßnahmen“
beschränken und die weitere Betreuung fachkundigen Fledermaus-Fachleuten in die Hand
geben. Denn die Aufzucht von Fledermausbabys ist sehr schwierig. Als „Erste-Hilfe-
Maßnahmen“ für Fledermaus-Findlinge empfiehlt Gatz, die Tiere möglichst mit Handschuhen
oder einem weichen Tuch vorsichtig aufzunehmen und in eine Schachtel mit Luftlöchern zu
setzen. Die Luftlöcher sollten sehr klein und die Schachtel bis auf die Luftlöcher gut und dicht
verschlossen sein, da Fledermäuse wahre Ausbruchskünstler sind. In die Schachtel sollte
man ein weiches Tuch – z.B. Küchenrolle oder Geschirrtuch – als Versteckmöglichkeit legen.
Anschließend sollte die Schachtel an einen sicheren Ort gestellt werden, um eine
Gefährdung durch andere Tiere zu vermeiden. Wenn es sich um ein Jungtier handelt, so
benötigt dieses einen warmen Platz, z.B. durch eine kleine Wärmflasche, die in ein Tuch
gewickelt ist.

Weitere Maßnahmen, so Gatz, sollten dann von fachkundigen Personen durchgeführt
werden. Denn nun gehe es darum, zu beurteilen, in welchem Zustand sich der Findling befinde, 

ob es ein Jungtier sei, das noch gesäugt werde, oder ob es eventuell Verletzungen
aufweise. Anschließend müsse entschieden werden, wie der Fledermaus am besten zu
helfen sei.

So helfen Sie Fledermäusen fit zu bleiben
Ein sicheres Zuhause: Fledermäuse brauchen sichere Quartiere. Bieten Sie ihnen
künstliche Spaltenquartiere wie Fledermausbretter oder Flachkästen an Giebelwänden an -
sie werden von den Tieren gerne angenommen. Gerade jetzt ist es wichtig, dass die
Fledermäuse zwischen unterschiedlich temperierten Verstecken wechseln können. „Vor
allem wenn es so heiß ist, kann es sein, dass Fledermäuse öfter mal umziehen und im
besten Fall ein Ausweichquartier finden, in dem es weniger heiß ist“, weiß die
Fledermausexpertin. Wer also verschiedenen Optionen bietet, tut den kleinen
Nachtschwärmern einen großen Gefallen.
Ausreichend Futter: Je artenreicher der Garten, desto mehr Insekten tummeln sich dort.
„Ein insektenreicher Garten unterstützt die Fledermäuse aktiv bei der Aufzucht ihres
Nachwuchses“, sagt Gatz. Besonders der Fledermausgarten mit nachtblühenden Stauden
und Sträuchern zieht Nachtfalter an und damit auch die Fledermäuse. Verzichten Sie bitte
auch auf Insektizide und andere Gifte im Garten.
Lebenswichtige Dunkelheit: Wer Fledermäusen wirklich helfen möchte, sollte unbedingt
mal nachts das Grundstück aus Fledermaussicht betrachten. „Lichtverschmutzung ist für
Fledermäuse und viele andere nachtaktive Tiere inzwischen zu einem massiven und
existenzbedrohenden Problem geworden“, mahnt Petra Gatz. Nächtliches Kunstlicht irritiert
Fledermäuse nicht nur, sie fallen ihren Fressfeinden in beleuchteten Bereichen leichter zum
Opfer und ihre eigene Jagd auf Insekten wird erschwert. „Es gilt also der Grundsatz:
Unnötiges Kunstlicht vermeiden, lichtunabhängige Lösungen wie z.B. kontrastreiche oder
reflektierende Markierungen bevorzugen und Außenbeleuchtung nur gezielt, ohne
Lichtstreuung nach oben und zeitlich stark begrenzt einsetzen. Schon wird den
Fledermäusen und allen anderen tierischen Gartenbewohnern ein großes Stück
Lebensqualität zurückgegeben“, empfiehlt die Expertin.
Abdeckung für Nichtschwimmer: „Wer dann noch seine Regentonnen abdeckt, um
unfreiwillige Wasserlandungen der Tiere und damit ein Ertrinken verhindert, hat eigentlich
schon alles Nötige getan, um Fledermäusen möglichst gute Bedingungen zu bieten“, fasst
die NABU-Expertin zusammen.

Mehr Informationen
Das Fledermaustelefon ist von Juni bis August auch abends und an den Wochenenden unter
der Rufnummer 030 284 984 5000 erreichbar. Die Sprechzeiten sind Montag bis Freitag von
10 bis 16:00 und 19:00 bis 20.30 Uhr. Samstag, Sonntag sowie an Feiertagen ist das
Telefon von 11:00 bis 13:00 Uhr und von 17:00 bis 19:00 Uhr besetzt.


NABU-Infoseiten zu Fledermäusen
FAQs zu Fledermäusen
Heimische Fledermausarten im Portrait
So fühlen sich Fledermäuse im Garten wohl