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Die Schenklengsfelder Linde

Die 1.200-jährige Linde

 

Mitten in Schenklengsfeld trifft man auf eine imposante Erscheinung: Eine uralte Sommerlinde; wahrscheinlich der älteste Baum Deutschlands. Ihr Alter wird auf ca. 1.200 Jahre geschätzt.

 

Geschichte

Der Legende nach wurden die vier einzelnen Stammteile der Linde, die einem gemeinsamen Wurzelstock entspringen, von einem Blitzschlag gespalten. Diese Erzählung ist aber eher fragwürdig. Es ist wahrscheinlicher, dass der Kern des Stammes mit der Zeit verfault ist, was sich auf die Äste jedoch nicht nachteilig ausgewirkte. Ein genetisches Gutachten der Universität Göttingen hat ergeben, dass es sich nicht um vier einzelne Stämme, sondern um einen Baum handelt.

 

Größe

Der Umfang der vier Stammteile beträgt rund 18 m, damit ist die Linde der Baum mit dem größten Umfang Deutschlands. Bei einer Höhe von etwa zehn Metern weist die Krone einen Durchmesser von fast 25 Metern auf. Mit einem Umfang von 120 Metern trägt die Schenklengsfelder Linde das größte erhaltene Lindendach.



Die Linde als Gerichtsplatz

Die Sommerlinde steht an einem runden, ummauerten Platz. Bei den Slawen und Germanen galt die Linde als heiliger Baum, ganz sicher auch wegen den Heilkräften der Lindenblüten. Hielten die Germanen noch ihr Thing unter den Linden ab, diente sie später auch weiterhin als Gerichtslinde. Für die Wahl der Linde als Gerichtsbaum waren aber auch praktische Gründe maßgebend. Die junge Linde lässt sich leiten, das heißt, die jungen Triebe können waagerecht über ein Stützgerüst gezogen werden. Wodurch sich der Gerichtsplatz „unter Dach“ bringen lässt. Dies geschah genau so auch in Schenklengsfeld. Unter Gerichtslinden wurde Jahrhunderte Recht gesprochen. Es wurden sogenannte peinliche bzw. Rügegerichte gehalten und Prangerstrafen an Ort und Stelle vollzogen. Davon zeugen die vielfach überlieferten und teils noch vorhandenen Halseisen – auch in Schenklengsfeld ist eines erhalten geblieben – an der Linde oder an einem Schandpfahl (Strafpfahl, Halseisenstock) bei der Linde. Der Gerichtsplatz ist von einem Mauerring eingefasst. Außerhalb dieser Umgrenzung befand sich die Gerichtsgemeinde, der sogenannte “Umstand”. Im Innenbereich tagte das Schöffengericht unter Vorsitz bspw. des Hersfelder Abts. Damit ist erklärt, wozu diese Mauer eigentlich diente. Die Richtstätten (Galgenplätze) lagen dagegen an anderen Stellen außerhalb des Ortes.

 

Ein Gerüst aus 80 Balken stützt die schweren Äste der Linde. Es ist anzunehmen, dass der Baum schon vor Jahrhunderten abgestützt wurde, da die waagerecht wachsenden Äste ein enormes Gewicht entwickelt haben.

 

 gestützter Ast der Linde 

Das Balkengerüst stützt die schweren Äste der Linde

 

Sagen und Legenden

Die Geschichte, dass der Ritter St. Georg den Drachen hier tötete um das Burgfräulein der Burg Landeck zu befreien fällt ganz sicher ins Reich der Sagen. Ebenso, dass zu dessen Ehren eine Kapelle gebaut und damit einhergehend die Linde gepflanzt wurde. 

 

Exkurs: Die Legendenbildung zum heiligen St.-Georg, des Schutzpatron der Kreuzritter entstand in Europa erst im 12. Jahrhundert zur Zeit der Kreuzritter (diese hatten das rote Kreuz auf ihren Schilden, das Symbol des St. Georg), als diese ins „Heilige Land“ einfielen. Das 8. Jahrhundert kommt für Verbindung Linde und St.-Georg aus mehreren Gründen nicht infrage. Viele Orte bemächtigen sich dieser Geschichte. Tatsächlich erfolgte über Jahrhunderte eine Verwechslung mit dem Heiligen Mauritius. Das aufwendig restaurierte und uralte Relief des Heiligen ist heute am Gasthaus “Zur Linde” zu bewundern, ursprünglich befand es sich an der Mauritiuskirche, bis von 1736 bis 1740 das neue Kirchenschiff am mächtigen Wehrturm unserer Kirche angebaut wurde. 

 Heiliger Mauritius 

Relief des Heiligen Mauritius vor der Kirche

 

Die Gaststätte "Zur Linde" war ehemals auch Bürgermeisteramt.  Hier stand in ganz alter Zeit das “Abtschlösschen”. Das wiederum lässt den Schluss zu, dass bei Rechtsprechungen, bei denen der Abt von Hersfeld zugegen war, er hier seine Unterkunft gehabt hat. Das hatte praktische Gründe. Um sich den beschwerlichen Weg zu Burg Landeck zu ersparen.

 

Text: Heimatverein Schenklengsfeld - Hier finden Sie auch weitere Informationen zur Schenklengsfelder Linde und anderen historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten in der Gemeinde.



Literatur

Dr. J. Hörle¹ beschrieb die Schenklengsfelder Linde wie folgt:

„…es ist die wundervolle Dorflinde von Schenklengsfeld, fast die einzige im Umkreis von Hersfeld, die noch ‚gemauert und geleitet‘, wie es der uralte Rechtsbrauch fordert, auf unsere Tage gekommen ist. ‚Gemauert und geleitet‘ – das heißt: eine niedrige Mauer umgrenzt den kreisförmigen Platz soweit die Baumkrone reicht und schafft so den heiligen Bezirk, in dem das Recht, die ehrwürdige Grundlage menschlichen Zusammenlebens und -wirkens ‚geteidigt‘ wird. Auf der Mauer stehen starke Pfosten und tragen mit ihrem Gebälk die breit und tief heruntergezogenen Äste des starken vielhundertjährigen Baumes, derart, dass das Gezweig, kunstvoll in das Pfostenwerk hineingeflochten, zusammen mit dem dichten Ast- und Blätterdach eine geschlossene Laube bildet, die Gerichtslaube, umhegt und gegen das Wetter geschützt und doch nach uraltem germanischem Brauch ein Gericht unter Gottes freiem Himmel.“

 

¹(Die zwei verschwundenen Gerichtslinden in Hersfeld, in: Die Stiftsruine, Nr.7, 1942, Seite 51)

 

Tradition und Gegenwart

Feste und Märkte

Das traditionelle Treffen der Schenklengsfelder Bürgerinnen und Bürger unter der Linde ist bis in die heutige Zeit erhalten geblieben:

 

Alle zwei Jahre findet das „Lindenblütenfest“ statt. Dabei treten unter anderem Ortsvereine, Volkstanzgruppen oder Gesangvereine auf und unterhalten die Besucher mit Tanz, Musik und Theater.

 

Außerdem findet im Wechsel mit den Nachbarkommunen Friedewald, Hohenroda, Philippsthal und Heringen der "Kuppenrhöner Wandermarkt" auf dem Lindenplatz und Umgebung statt.

 

Hochzeit unter dem Blätterdach

Unter freiem Himmel oder in einem besonderen Ambiente „Ja“ zu sagen – das wünschen sich viele angehende Ehepaare und Lebenspartner*innen. Das Schenklengsfelder Standesamt hat diesen Wunsch erfüllt: Ehen und Lebenspartnerschaften können auch unter dem wohl ältesten Baum Deutschlands geschlossen werden.

 

Naturdenkmal

Die Linde ist auf Grund ihrer Besonderheit schon lange als Naturdenkmal ausgewiesen. Basierend auf dem Feld- und Forstpolizeigesetz von 1880 wurde sie bereits 1926 und 1930 durch die Kreis- und Ortspolizeibehörde zum Schutz der Naturdenkmale und 1936 nach dem Reichsnaturschutzgesetz geschützt.

 

Im Jahr 1976 wurde die Linde für 11.000 DM saniert. Eine weitere Sanierung erfolgte 2009 im Auftrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz. Im Jahr 2020 wurde das Stützgerüst durch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg für 30.000 € komplett erneuert. Weitere Informationen zur Erneuerung des Gerüstes finden Sie hier.

 

Die Schenklengsfelder Linde wurde im April 2025 bei Brillux Radio in einem Beitrag vorgestellt. 

Der Mitschnitt wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt: 

 

Kunst

Im September 2025 wurde die Schenklengsfelder Linde von Lisanne Wepler in zwei Kaltnadelradierungen verewigt:

   Lisanne Wepler, Tanzende Linde in Schenklengsfeld, Kaltnadelradierung, 32,5 x 24,5 cm, 2025 

 Lisanne Wepler, Tanzende Linde in Schenklengsfeld, Kaltnadelradierung, 32,5 x 24,5 cm, 2025   

Lisanne Wepler, Tanzende Linde in Schenklengsfeld, Kaltnadelradierung, 32,5 x 24,5 cm, 2025, Link zur Homepage

 

Zahlen, Daten & Fakten

  • Die Krone der Linde hat einen Durchmesser von ca. 25 Metern.

  • Der Baum wurde bereits 1926 zum Naturdenkmal erklärt und 1976, 2009 sowie 2020 saniert.

  • Die vier Stammteile entspringen dem gleichen Wurzelstock - es handelt sich nachweislich um einen Baum.

  • Der Umfang der vier Stammteile beträgt rund 18 Meter, damit ist die Linde der Baum mit dem größten Umfang in Deutschland.

  • Das Gerüst mit 80 Balken trägt die schweren Äste der Linde. Es wird vermutet, dass der Baum bereits seit Jahrhunderten auf diese Weise gestützt wird.

  • Bis ins 19.Jahrhundert diente der Baum als Gerichtslinde. Die dort abgehaltenen Rügegerichte dienten dazu Feld- und Waldfrevler zu verurteilen, die dann unter der Linde an den Pranger gestellt wurden. 

  • Die Linde ist mit ihren mehr als 1.200 Jahren der vermutlich älteste Baum Deutschlands. 

  • Die Linde wird von einem äußeren und einem inneren Steinring umgeben. Der äußere ist ca. 50 cm hoch und hat mehrere Durchgänge.

 

Wegbeschreibung

Die Schenklengsfelder Linde finden Sie hier: