Der Legende nach wurden die vier einzelnen Stammteile der Linde, die einem gemeinsamen Wurzelstock entspringen, von einem Blitzschlag gespalten. Diese Erzählung ist aber eher fragwürdig. Es ist wahrscheinlicher, dass der Kern des Stammes mit der Zeit verfault ist, was sich auf die Äste jedoch nicht nachteilig ausgewirkte. Ein genetisches Gutachten der Universität Göttingen hat ergeben, dass es sich nicht um vier einzelne Stämme, sondern um einen Baum handelt.
Größe
Der Umfang der vier Stammteile beträgt rund 18 m, damit ist die Linde der Baum mit dem größten Umfang Deutschlands. Bei einer Höhe von etwa zehn Metern weist die Krone einen Durchmesser von fast 25 Metern auf. Mit einem Umfang von 120 Metern trägt die Schenklengsfelder Linde das größte erhaltene Lindendach.
Die Linde als Gerichtsplatz
Die Sommerlinde steht an einem runden, ummauerten Platz. Bei den Slawen und Germanen galt die Linde als heiliger Baum, ganz sicher auch wegen den Heilkräften der Lindenblüten. Hielten die Germanen noch ihr Thing unter den Linden ab, diente sie später auch weiterhin als Gerichtslinde. Für die Wahl der Linde als Gerichtsbaum waren aber auch praktische Gründe maßgebend. Die junge Linde lässt sich leiten, das heißt, die jungen Triebe können waagerecht über ein Stützgerüst gezogen werden. Wodurch sich der Gerichtsplatz „unter Dach“ bringen lässt. Dies geschah genau so auch in Schenklengsfeld. Unter Gerichtslinden wurde Jahrhunderte Recht gesprochen. Es wurden sogenannte peinliche bzw. Rügegerichte gehalten und Prangerstrafen an Ort und Stelle vollzogen. Davon zeugen die vielfach überlieferten und teils noch vorhandenen Halseisen – auch in Schenklengsfeld ist eines erhalten geblieben – an der Linde oder an einem Schandpfahl (Strafpfahl, Halseisenstock) bei der Linde. Der Gerichtsplatz ist von einem Mauerring eingefasst. Außerhalb dieser Umgrenzung befand sich die Gerichtsgemeinde, der sogenannte “Umstand”. Im Innenbereich tagte das Schöffengericht unter Vorsitz bspw. des Hersfelder Abts. Damit ist erklärt, wozu diese Mauer eigentlich diente. Die Richtstätten (Galgenplätze) lagen dagegen an anderen Stellen außerhalb des Ortes.
Ein Gerüst aus 80 Balken stützt die schweren Äste der Linde. Es ist anzunehmen, dass der Baum schon vor Jahrhunderten abgestützt wurde, da die waagerecht wachsenden Äste ein enormes Gewicht entwickelt haben.
Das Balkengerüst stützt die schweren Äste der Linde
Sagen und Legenden
Die Geschichte, dass der Ritter St. Georg den Drachen hier tötete um das Burgfräulein der Burg Landeck zu befreien fällt ganz sicher ins Reich der Sagen. Ebenso, dass zu dessen Ehren eine Kapelle gebaut und damit einhergehend die Linde gepflanzt wurde.
Exkurs: Die Legendenbildung zum heiligen St.-Georg, des Schutzpatron der Kreuzritter entstand in Europa erst im 12. Jahrhundert zur Zeit der Kreuzritter (diese hatten das rote Kreuz auf ihren Schilden, das Symbol des St. Georg), als diese ins „Heilige Land“ einfielen. Das 8. Jahrhundert kommt für Verbindung Linde und St.-Georg aus mehreren Gründen nicht infrage. Viele Orte bemächtigen sich dieser Geschichte. Tatsächlich erfolgte über Jahrhunderte eine Verwechslung mit dem Heiligen Mauritius. Das aufwendig restaurierte und uralte Relief des Heiligen ist heute am Gasthaus “Zur Linde” zu bewundern, ursprünglich befand es sich an der Mauritiuskirche, bis von 1736 bis 1740 das neue Kirchenschiff am mächtigen Wehrturm unserer Kirche angebaut wurde.
Relief des Heiligen Mauritius vor der Kirche
Die Gaststätte "Zur Linde" war ehemals auch Bürgermeisteramt. Hier stand in ganz alter Zeit das “Abtschlösschen”. Das wiederum lässt den Schluss zu, dass bei Rechtsprechungen, bei denen der Abt von Hersfeld zugegen war, er hier seine Unterkunft gehabt hat. Das hatte praktische Gründe. Um sich den beschwerlichen Weg zu Burg Landeck zu ersparen.
Text: Heimatverein Schenklengsfeld - Hier finden Sie auch weitere Informationen zur Schenklengsfelder Linde und anderen historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten in der Gemeinde.