NABU: Mit Nisthilfen und naturnahen Gärten das nächste Vogeljahr
vorbereiten
Wetzlar – Für die Mauersegler ist der Sommer in Hessen jetzt schon vorbei.
Seit einigen Tagen treten die ersten wendigen Flugkünstler wieder ihre
lange und anstrengende Reise in den Süden an. „Während viele von uns die
Sommerferien genießen, ist für die Mauersegler der Aufenthalt bei uns
bereits gelaufen. Mit Abschluss der Jungenaufzucht verabschieden sie sich
nun in Richtung Afrika, wo sie südlich der Sahara überwintern. Das sind
viele tausend Kilometer für die kleinen Vögel“, erklärt der Stellv.
NABU-Landesvorsitzende Bernd Petri. Den Startimpuls für den Abflug geben
unter anderem die abnehmende Tageslänge und das schwindende
Nahrungsangebot. Viele Menschen, die in den letzten Wochen mit den
sirrenden Mauerseglerrufen den ‚Sound des Sommers‘ erleben durften, müssen
sich jetzt erst einmal wieder an die ungewohnte Stille gewöhnen.
„Mauersegler gehören zu den ersten Zugvögeln, die nun wieder in den Süden
fliegen. Ihnen folgen im August Turteltaube, Wendehals, Waldlaubsänger,
Uferschwalbe, Gartengrasmücke und Sumpfrohrsänger. Rauch- und Mehlschwalbe,
mit denen die Mauersegler oft verwechselt werden, verlassen uns allerdings
erst ab September“, erläutert der NABU-Vogelexperte Petri. Viele Schwalben
haben bei Zweit- und Drittbruten derzeit noch ihre Jungvögel im Nest zu
versorgen.
Rastloser Vielflieger
Mauersegler sind Meisterflieger. Sie verbringen den Großteil ihres Lebens
in der Luft, auch nachts zum Schlafen. Nur am Brutplatz haben sie festen
Boden unter den Füßen. „Die wendigen Flugakrobaten versorgen zwischen Mai
und Juli jeweils eine Brut. Danach fliegen sie von Hessen bis nach
Äquatorialafrika, beispielsweise ins Kongobecken, und legen dabei tausende
Kilometer zurück“ weiß Vogelexpertin Ruth Ortwein vom NABU Walldorf zu
berichten. Man weiß inzwischen, dass Mauersegler ihre Zugzeiten wegen des
Klimawandels verschieben: In den letzten 50 Jahren kehrten sie bis zu zwei
Wochen früher zurück und reisen mittlerweile einige Tage später ab. „In den
letzten Tagen ließ sich bereits beobachten, dass deutlich weniger
Mauersegler im Pulk ihre abendlichen Runden drehen“ so Ortwein. Dutzende
Vögel umkreisen dabei schnell und gewandt fliegend hohe Gebäude und suchen
schon nach Brutplätzen für die nächste Saison. Die Sommergäste in unseren
Siedlungen sind an ihrem rußschwarzen Gefieder, den gebogenen, spitzen
Flügeln und den lauten Sriih-Sriih-Rufen gut erkennbar.
Mangel an Wohnraum
Leider mangelt es den Mauerseglern zunehmend an geeigneten Nistplätzen in
hohen Wohnhäusern, Türmen und Fabriken. Neubauten und energetische
Sanierungen führen immer häufiger zum Aussperren der Mauersegler von
Brutnischen in Mauerlücken, am Dachtrauf oder unter Ziegeln. „Zwar sind die
Niststätten gesetzlich geschützt, auch außerhalb der Brutzeit, doch werden
sie viel zu oft übersehen. Wir setzen uns in ganz Hessen dafür ein, dass
Mauersegler-Brutplätze erhalten werden oder, falls nötig, der
vorgeschriebene Ersatz mit speziellen Nisthilfen geschaffen wird.
Nistkästen können direkt am Haus angebracht oder in die Außendämmung
integriert werden“, erläutert Ortwein. Mit dem Anbringen von
Mauerseglerkästen am Haus kann man der Wohnungsnot leicht Abhilfe schaffen.
Insektenvielfalt rettet Leben
Mauersegler sind ausschließlich Insektenfresser, denen der dramatische
Schwund an Fluginsekten in den letzten Jahrzehnten zugesetzt hat. „Die
Funde von stark unterernährten Jungvögeln, die so entkräftet sind, dass sie
den Flug nach Afrika gar nicht antreten können, steigt leider immer weiter
an. Die Auffangstationen können hier nur versuchen, das Schlimmste zu
verhindern. Für die Ursachenbekämpfung sollten wir uns aber alle stark
machen. Jeder insektenfreundliche Garten oder Balkon hilft dabei mit,
ausreichend Futter für Mauersegler und andere Vögel bereit zu stellen. Es
lohnt sich, insektenfreundliche Pflanzen im Garten oder auf der Terrasse zu
fördern und nicht allzu häufig den Rasen zu mähen“, rät Ortwein. Bis zur
Rückkehr der Mauersegler ab Mitte April lässt sich da sicher an vielen
Stellen noch etwas für die sympathischen Vielflieger bewerkstelligen.
Naturschutzbund (NABU) - Landesverband Hessen e.V.
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