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News-Ticker

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NABU Hessen: Wie gut schützt uns die Natur im Klimawandel?

Der neue ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index zeigt, wo Landschaften noch kühlen,
Wasser speichern und Klimaextreme abfedern – auch in Hessen besteht
Handlungsbedarf


Wetzlar – Deutschland verliert die natürliche Schutzfunktion seiner
Landschaften: Der gestern vom NABU und dem ECONICS-Institut in Berlin
vorgestellte Grün-Feucht-Kühl-Index (GFKI) 2026 zeigt, wie leistungsfähig
die Natur bei Kühlung, Wasserrückhalt und Klimaanpassung in Deutschland
noch ist. „Das Ergebnis alarmiert: Auch in Hessen verlieren viele Regionen
ihre Fähigkeit, Hitze zu mildern, Wasser in der Landschaft zu halten und
die Folgen der Klimakrise abzufedern“, erklärt Maik Sommerhage,
Landesvorsitzender des NABU Hessen. Auch in Hessen zeige sich, wie wichtig
intakte Natur für den Schutz vor Hitze, Dürre und Starkregen ist. „Der
ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index macht deutlich: Natur ist keine Kulisse,
sondern unsere natürliche Infrastruktur. Intakte Wälder, Moore, Auen und
Grünflächen speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung und machen unsere
Landschaften widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise“, so
Sommerhage.


Heiße Landschaften in Hessen
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Besonders auffällig sind in Hessen die besonders heißen und gefährdeten
Landschaften mit hoher Priorität für Wiederherstellungs-Maßnahmen der
Natur: die Westliche Wetterau, der westliche Schwalm-Ederkreis, das
Hessisches Ried und Nordhessen (nördliches Waldeck-Frankenberg und Kreis
Kassel). In allen Siedlungsflächen und fast allen Ackerflächen sind die
natürlichen Funktionen stark geschädigt oder gefährdet. „Ein eindrückliches
Beispiel ist hier die landwirtschaftlich intensiv genutzte Fritzlarer Börde
mir ihren fruchtbaren Lösslehm-Böden. Die geschädigten
Landschaftsfunktionen, wie Wasserrückhalt und natürliche Kühlung spiegeln
sich in dem großflächig sehr schlechten GFKI wider“, erläutert Sommerhage.
Ein kritisches Licht wirft der Index auch auf viele der europäischen
Schutzgebiete: Bundeweit werden 25 % der Flächen in
Fauna-Flora-Habitat-Gebieten und 40 % in Vogelschutzgebieten mindestens als
kritisch eingestuft. Denn viele Schutzgebiete sind als isolierte Inseln in
einer aufgeheizten Kulturlandschaft extremen Randeffekten ausgesetzt.


Wälder kühlen die Landschaft

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Deutlich wird die Bedeutung der Wälder als kühler Erholungsraum vor allem
für die Menschen im Hitzestress des Ballungsraums Rhein-Main, wie die grün
erscheinenden Wälder im Hochtaunuskreis, z.B. östlich von Glashütten. Dort
schlägt der NABU den Schutz der Wälder als Wildnisgebiet „Taunushöhen“ ohne
Holzfällungen vor. „Der GFKI in Hessen zeigt deutlich, dass Wälder wie im
Hinterlandswald, feuchter und kühler sind als die angrenzenden
Weinbauhänge. Sie wirken kühlend auf die Landschaft“, so Sommerhage. Auch
Auen, wie die Flussinsel Kühkopf am Rhein und die gewundenen
Altneckarschleifen im Hessischen Ried, sind wichtige grüne und feuchte
Oasen inmitten intensiv genutzter Agrarlandschaften. In Hessens
Agrarlandschaften zeigt sich, dass kleinräumigere und extensiv genutzte
Grünlandflächen mit vielen Hecken, Brachen und Ackerrandstreifen wie im
westlichen Vogelsberg Feuchtigkeit länger im System halten und kühler sind
als ausgeräumte, weitläufige und intensiv genutzte landwirtschaftliche
Flächen bei Grünberg wenige Kilometer weiter.


Fünf-Jahres-Trend in Hessen

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Der zeitliche Verlauf von 2021 bis 2025 zeigt in einer Trendanalyse, dass
sich der GFKI sowohl in einigen Waldgebieten wie im Rheingau-Taunuskreis
als auch in Agrarlandschaften verschlechtert hat, die Landschaften also
trockener, heißer und weniger grün geworden sind. Dem gegenüber haben der
Odenwald oder der Vogelsberg mit Grünlandwirtschaft in dieser Zeitspanne
eine günstige Entwicklung durchlaufen. „Diese positiven Beispiele zeigen,
dass großflächige intakte Naturlandschaften als wichtiger Puffer für die
Klimaerwärmung wirken“, erklärt Sommerhage.


Wiederherstellung der Natur
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Zur Wiederherstellung intakter und widerstandsfähiger Natur bedarf es somit
großer Anstrengungen und großflächiger Maßnahmen des natürlichen
Klimaschutzes, wie regenerative Landwirtschaft mit Zwischenfruchtfolgen,
Ackerrandstreifen und Heckenstrukturen, mehr Wasserrückhalt in Wäldern und
Offenland, die Renaturierung von Flüssen und Auen, Wildnisgebiete oder mehr
Grün in den Städten, damit Mensch und Natur die kommenden Herausforderungen
des Klimawandels, wie Dürren und Hitzeperioden bestehen können. „Wir
fordern das Land und den Bund auf, die natürlichen Funktionen unserer
Landschaften und Biotopvernetzung konsequent zu stärken. Dabei spielt die
Umsetzung des EU-Gesetzes zur Wiederherstellung der Natur eine
entscheidende Rolle“, erklärt Sommerhage. Aber auch ein Bundesgesetz für
Natürliche Infrastruktur sowie mehr Tempo bei der Renaturierung und der
Vernetzung von Lebensräumen sind essenziell, so der NABU.


Menschen wollen mehr intakte Natur
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Dass die Bevölkerung diesen Weg unterstützt, zeigt eine repräsentative
Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des NABU: Fast 85
Prozent der Menschen in Deutschland befürworten das EU-Gesetz zur
Wiederherstellung der Natur und knapp 75 % der hessischen Bevölkerung
wünschen sich mehr politischen Umsetzungswillen für den Schutz und die
Wiederherstellung zerstörter Natur. Die Ergebnisse unterstreichen den
breiten gesellschaftlichen Rückhalt sowie die Dringlichkeit für die
Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und für Renaturierungsmaßnahmen
als wirksamen Beitrag zum Klima-, Natur- und Hochwasserschutz.


Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index
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Der GFKI bewertet Landschaften anhand der drei Faktoren Grün, Feucht und
Kühl. Besonders intensiv genutzte Agrarregionen, stark versiegelte Städte
und ausgebaute Gewässerräume weisen häufig Defizite auf. Der bundesweite
Trend ist negativ. „Die Ergebnisse des ‚ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index‘ und
seines Veränderungstrends beruhen nicht auf Experteneinschätzungen, sondern
werden gemessen. Es werden vor allem große Mengen hochauflösender
Satellitendaten eingesetzt. Neu ist auch, dass wir sehr konkret
vorschlagen, welche Gebiete mit hoher Priorität geschützt, stabilisiert
oder wiederhergestellt werden müssen“, sagt Studienautor Prof. Dr. Pierre
Ibisch

 

Naturschutzbund (NABU) - Landesverband Hessen e.V.
Friedenstraße 26
35578 Wetzlar
Landesvorsitzender: Maik Sommerhage
Geschäftsführung Kommunikation: Dr. Berthold Langenhorst (V.i.S.d.P.)
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