Der Weinberg in Schenklengsfeld, auch bekannt als „Laenschelder Weinberg“, ist ein einzigartiges Projekt in Nordhessen. Am sonnigen Südhang oberhalb der Solz gelegen, verbindet er historische Tradition mit modernem, ehrenamtlichem Engagement. Heute ist der Weinberg nicht nur ein Ort des Weinbaus, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens in Schenklengsfeld.

Weinrebe auf dem Laenschelder Weinberg (Bild: Monika Greb)
Historischer Weinbau mit langer Tradition
So wie vielerorts in Hessen und Thüringen wurde auch in Schenklengsfeld bereits im Mittelalter Wein angebaut. Dokumentiert ist, dass Mönche den Wein im 8. Jahrhundert n. Chr. in unsere Gegend mitbrachten. Jede geeignete Hanglage wurde zum Weinanbau genutzt und noch heute deuten vielerorts Straßenbezeichnungen, wie z.B. „Am Weinberg“ auf deren historische Existenz hin. Der letzte dokumentierte Weinbauer von Schenklengsfeld, Heinrich Götz, stellte im Frühjahr 1859 seine aktive Tätigkeit im Weinbau ein. Danach geriet die Nutzung jedoch in Vergessenheit, und der Hang verwilderte über viele Jahrzehnte.
Wiederbelebung des Weinbergs
Im Jahr 2010 entstand innerhalb einer Gruppe von fünf engagierten Bürgern die Idee, den historischen Weinberg wieder zu reaktivieren. Es wurde ein Konzept zur Realisierung entwickelt, mit dem dann auch weitere Interessierte begeistert werden konnten. Anfang 2012 waren die Planungen dann so weit fortgeschritten, dass sie den Gemeindegremien vorgestellt werden konnten. Nach Gründung der „Weinbergfreunde Schenklengsfeld“ unter dem Dach und als Sparte des Heimatvereins Landeck 1953 e.V. wurde dann sehr zeitnah von der Gemeinde als Eigentümerin des Areals- das Gelände zur zweckgebundenen Nutzung an den Heimatverein mit seiner Sparte Weinbergfreunde verpachtet.
Auf einer Fläche von rund 500 Quadratmetern wachsen heute etwa 360 Rebstöcke. Angebaut werden vor allem die robuste Rotweinsorte Regent sowie seit einiger Zeit auch mehrere Rebstöcke der Sorte Cabaret Noir, die sich ebenfalls gut für das Klima in Nordhessen eignet. Der daraus gewonnene Wein trägt den Namen „Laenschelder Kirchblick“- der erste Jahrgang datiert aus dem Jahr 2014.

Blick auf die Mauritiuskirche (Bild: Monika Greb)
Weinlese und Weinbergfeste in Schenklengsfeld
Ein Höhepunkt im Jahresverlauf ist die Weinlese, bei der die Trauben gemeinsam geerntet und direkt vor Ort verarbeitet werden. Ebenso beliebt ist das jährliche Weinbergfest, traditionell am zweiten Septemberwochenende, das zahlreiche Besucher aus der Region anzieht. Mit Weinverkostung, regionalen Spezialitäten und Live-Musik ist es ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Schenklengsfeld. Etabliert hat sich darüber hinaus das „Glühweinfest“ Anfang Januar, bei dem bei winterlichen Temperaturen unter anderem Winzerglühwein aus eigener Herstellung zum Ausschank kommt.

Blick auf den Weinberg während des Weinbergfestes (Bild: Matthias Vollmer)
Das Back- und Kelterhaus
Ein besonderer Blickfang des Weinbergs ist das Back- und Kelterhaus, das von den Weinbergfreunden im Jahr 2020 in Eigenleistung erstellt wurde. Das kombinierte Sandstein-, Ziegel- und Fachwerkhaus mit einer Grundfläche von fünf mal fünf Metern entsteht nach historischen Vorbildern am östlichen Ende des Weinbergs. An derselben Stelle hatte bereits bis 1949 ein – allerdings nur eingeschossiges – Backhaus gestanden, das dann abgerissen worden war. Das zweigeschossige Gebäude in traditioneller Bauweise dient als Ort für die Weiterverarbeitung der Trauben und als Treffpunkt für Veranstaltungen. Im Gebäude befindet sich im Obergeschoß ein 500 Liter fassender Edelstahltank zur Weinkelterung.
Zudem bietet das Gebäude im Erdgeschoß Lagermöglichkeiten für die umfangreichen Gerätschaften der Weinbergfreunde sowie einen traditionellen Backofen, wie er früher in vielen Bauernhäusern benutzt wurde. Durch die Lage am Fuß des Steilhangs entstanden ferner neben dem Gebäude zwei Natursteinterrassen.
Backhaus am Weinberg (Bild: Monika Greb)
Text: Heimatverein Schenklengsfeld und Weinbergfreunde - Hier finden Sie weitere Informationen zum Schenklengsfelder Weinberg, dem Backhaus sowie anderen historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten in der Gemeinde.